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die benzingeschichte

Die erste Biografie der Tankstelle

Warum ich ein Buch über Tankstellen geschrieben habe, gehört zu den mir am meisten gestellten Fragen. Die Antwort ist einfach. Nach meinem Lehrer, dem Philosophen Leo Kofler, einem Meister der Dialektik, steckt das große Ganze im Kleinen und umgekeht. Da habe ich mir was Kleines gesucht, die Zapfsäulen, und in große Zusammenhänge zu stellen. Dabei ist mein erstes Buch herausgekommen, das wohl auch die erste Tankstellengeschichte war. Und eine Generalabrechnung mit dem Treibstoffkapitalismus ..

Weshalb ich die Zapfsäulen wählte? Ich hatte über Jahre stillgelegte Tankstellen fotografiert. Irgendwann habe ich die Benzinruinen auf einer Fotoausstellung in Berlin-Kreuzberg gezeigt und zur Vernissage Gudrun Fröba und Rainer Nitsche vom Transit-Verlag eingeladen. Am nächsten Tag bekam ich einen Buchvertrag und habe vor Freude auf dem Mehringdamm getanzt. Dann habe ich ein Jahr lang daran geschrieben (auf meiner neuen IBM-Kogelkopfschreibmaschine). Und zwar in der Regel von 11 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends. Danach ging ich aus. Der Barmann, Klaus Herzog, war mein Freund, bei dem ich nichts zu bezahlen brauchte. Dafür habe ich ihm gegen vier Uhr in der Frühe geholfen, das Lokal auszufegen.

Bernd Polster: Tankstellen. Die Benzingeschichte, Berlin 1982 (Transit Buchverlag) ISBN 3-88747-005-2 /  Foto: Berlin, Gleisdreieck © Bernd Polster