Köln, Sülz

Wichterichstraße24, 1982 bis 1985: Der nächste Aufbruch: Mit dem Filmemacher Michael Meert wohnte ich in Sülz, einem echt kölschen Soziotop. In dieser hedonistischen Zeit wurde ich Reportagejournalist, für den Rundfunk und für Zeitschriftenredaktionen in Hamburg und München. Ich gehörte zu den ersten Vielfliegern. Das Radiofeature, halb Essay, halb Collage, liegt mir, auch wegen der Interviews und der Begegnung mit interessanten Leuten. Eine der ersten 60-Minüter war ein Porträt des "Arbeitertänzers" Jean Weidt, den ich in Ost-Berlin ausgegraben habe. Meine erste Magazin-Reportage handelte vom Straßenbau-Wahnsinn. Manfred Bissinger, damals Chefredakteur von Konkret, gratulierte mir telefonisch.

Zwischendurch große Projekte: Es entstanden zwei weitere kulturhistorische Bücher, die, wie nun so oftz, Fallstudien der Moderne sind: 1984 Das Feste Haus (mit Reinhard Möller), eine exemplarische Gefängnisgeschichte, und 1985 Wie die Wilden (mit Astrid Eichstedt), die erste und einzige Monografie über die Tanzwut im 20. Jahrhundert, die zugleich eine Geschichte der Popmusik ist. Und wieder mal ein Standardwerk. Dafür schfften es hunderte von Fernbestellungen aus der Deutschen (Tanz-)Bibliothek in Leipzig geradezu tänzerisch leicht über den Eisernen Vorhang.

Dann passierte einer jener unglaublichen Zufälle, die bei näherer Betrachtung gar nicht so unwahrscheinlich sind. GEO suchte für ein Bonn-Special jemandem, der eine positive Geschichte über das  "Bundesdorf" schreibt. Und konnte, obwohl die Hauptstadt damals voll von Journalisten war, keinen finden. Ich war der einzige, der die Stadt kannte und mochte. Für GEO habe ich dann jahrelang gearbeitet.